Warum Ihre deutsche Website nichts bringt
Die Seite ist übersetzt. Sie ist korrekt. Eine deutsche Kollegin hat sie gelesen und nichts beanstandet. Und trotzdem passiert nichts. Das ist der häufigste Fall, den ich sehe, und er hat fast nie mit Sprache zu tun.
Von Melanie Krause · 5. Oktober 2026
Liegt es an der Übersetzung?
Meistens nicht. Eine schlechte Übersetzung fällt sofort auf, und sie lässt sich korrigieren.
Was nicht auffällt, ist eine korrekte Übersetzung einer Argumentation, die für einen anderen Markt geschrieben wurde. Der Satz stimmt. Die Grammatik stimmt. Es gibt nichts zu korrigieren, also korrigiert auch niemand.
Sie merken es erst an den Ergebnissen, und dann meist zu spät.
In welcher Reihenfolge liest ein deutscher Käufer?
Eine französische Seite beginnt mit dem Versprechen. Danach kommen die Kundenlogos. Ganz unten, für die, die scrollen, stehen die Details.
Für einen französischen Leser ist das die richtige Reihenfolge.
Ein deutscher Käufer liest umgekehrt. Er will zuerst wissen, was genau das ist, wie es funktioniert, unter welchen Bedingungen, und wer dafür haftet. Das Versprechen liest er vielleicht danach. Die Logos liest er nicht.
Gleicher Inhalt, umgekehrte Reihenfolge, zwei Conversion Rates, die nichts miteinander zu tun haben.
Warum funktionieren übersetzte Keywords nicht?
Weil eine Sprache nicht dieselben Dinge anders benennt. Sie teilt die Welt anders ein.
Ein Beispiel. Wenn Sie Weiterbildung für Führungskräfte verkaufen und auf Ihrer Seite steht „Ausbildung“, sprechen Sie Siebzehnjährige an. Ausbildung ist die duale Berufsausbildung: drei Jahre, Vertrag, staatlich anerkannter Abschluss. Mit Ihrem Zweitagesseminar hat das nichts zu tun.
Das Wort, das Sie gebraucht hätten, ist Weiterbildung. Oder Schulung, je nach Format.
Es gibt drei deutsche Wörter. Eines passt zu dem, was Sie verkaufen. Ein Übersetzer nimmt das erste aus dem Wörterbuch, weil es nicht sein Beruf ist zu wissen, welches davon Ihr Produkt ist.
Was beweist ein Logo, und was nicht?
In Frankreich beruhigt eine Wand aus Kundenlogos. In Deutschland dekoriert sie.
Ein Logo sagt: Die haben uns vertraut. Ein deutscher Käufer hört: Sie haben irgendwann mit denen abgeschlossen, aus einem Grund, den ich nicht kenne.
Er will wissen, was genau, über welchen Zeitraum, mit welchem Ergebnis, und wer das bestätigen kann.
Ein dokumentierter Fall wiegt mehr als zwölf Logos. Wenn Sie den Kunden nicht nennen dürfen, sind Branche, Größe und Dauer immer noch mehr wert als ein stummes Logo.
Was fehlt auf französischen Seiten fast immer?
Das, was auf Französisch nie geschrieben wurde.
Ein Impressum. Eine klare Aussage zur Datenverarbeitung. Ein Name und ein Gesicht der verantwortlichen Person. Auffindbare Liefer- oder Kündigungsbedingungen. Eine Postanschrift.
Nichts davon ist Marketing. Es ist das deutsche Äquivalent zum Händedruck.
Eine Übersetzung produziert es nie, weil es nichts zu übersetzen gibt. Die Seite existierte auf Französisch nicht, also existiert sie auf Deutsch auch nicht.
Das ist die teuerste Fehlerkategorie auf diesem Markt: nicht das, was falsch übersetzt wurde, sondern das, was nie geschrieben wurde.
Was folgt daraus?
Der deutsche Markt ist nicht schwierig. Er ist präzise. Das ist nicht dasselbe, und es lässt sich nicht mit einer Übersetzung lösen.
Jemand muss entscheiden, was dieser Markt liest, mit welchen Worten, in welcher Reihenfolge und mit welchem Beweis. Genau diese Entscheidung ist der Teil, den eine Übersetzung nicht enthält.